
Mein kleiner dicker Bossi,
etwa sechs Jahre alt bist du geworden, ein gutes Alter für ein Meerschweinchen. Und doch finde ich, dass wir ich viel zu früh gehen lassen mussten.
Mit vielen anderen Meerschweinchen lebtest du zunächst in schlechter Haltung, bevor du Anfang 2021 ins Tierheim kamst. Dort war dein Name Manuel und du hast Puschel, Schneeweißchen und Sophie kennengelernt. Nachdem im April 2023 Lotta über die Regenbogenbrücke gehen musste, suchten wir neue Freunde für Baby und haben uns bei einem Besuch im Tierheim sofort in euch verliebt. Bei uns wurdest du vom Manuel zum Bosse (und Sophie zu Malin) und nach Babys Tod kamen mit Alma und Ida noch zwei weitere Freundinnen in eure Gruppe.
Bei uns hast du dann schnell gezeigt, was für ein Charakterschwein du warst: Du warst zwar der Chef der Truppe und hast diesen Posten auch verteidigt, aber du warst auch sehr gemütlich. Am liebsten hast du in einem Häuschen gelegen, vor dich hin gedöst und das Näschen nur rausgestreckt, wenn die anderen sich ein paar Erbsenflocken erbettelt hatten. Den Boss(e) hast du nur raushängen lassen, wenn jemand dir deinen Posten streitig machen wollte (wie Alma), ansonsten hat es dir vollkommen ausgereicht, wenn du das Dominanzgehabe an deine Vizechefin Schneeweißchen delegieren konntest. Das Leben als Chef ist schließlich anstrengend und Lebenszeit kostbar, als dass man sich groß stressen sollte, da hast du lieber mal ein Nickerchen mehr gehalten.
Eigentlich dachten wir, dass wir mit so vielen jungen Schweinchen lange eine konstante Truppe haben würden, nur du warst mit vier Jahren schon etwas älter. Recht schnell zeigten sich dann auch ein paar gesundheitliche Probleme bei dir, mal hat die Atmung ein bißchen gerasselt, dann war der Kot etwas matschig und wir dachten eigentlich, dass du wohl das erste Schwein sein würdest, was die Gruppe wieder verlassen muss. Aber das Leben hatte mal wieder andere Pläne und nach nur etwas mehr als einem Jahr mussten wir Weißchen und Malin schon wieder gehen lassen.
Plötzlich hast du dich als Rentner mit zwei jungen Mädels wiedergefunden und wir mussten schauen, wie wir deine Medikamente dosieren: Zu wenig Herztabletten (gegen das Wasser in der Lunge) und du hast geatmet wie ein Kettenraucher, zu viele und deine Köttel wurden zu flüssig.
So haben wir uns ein Jahr durchgeschlagen, dass du zwar größtenteils verschlafen hast, aber man hat dir doch angemerkt, dass dir deine Baustellen immer mehr zu schaffen machen. Immer wieder hast du dich zurück gekämpft, aber jedes mal war der Weg ein wenig schwieriger als zuvor. Und im Herbst 2025 dann hat irgendwann nichts mehr geholfen. Dein Durchfall wurde unfassbar schlimm und du wolltest nicht mehr fressen. Wir haben alles versucht, waren beim Tierarzt, haben dich gepäppelt, doch nichts hat mehr geholfen. Und so haben wir dich gehen lassen, bevor du noch weiter unnötig leiden musstest.
Lieber Bosse, du hast eine große Lücke im Stall hinterlassen (aber du warst ja auch ein großes Meerie). Danke, dass du Ida und Alma gezeigt hast, wie man so richtig entspannt und eine Gruppe ohne großes Getue anführt. Ich hoffe, dass du hinter dem Regenbogen Weißchen und Alma wieder getroffen hast und sie dir alle Plätze gezeigt haben, an denen man ein gemütliches Nickerchen halten kann. Danke, dass du geholfen hast, die Leere, die Lotta und Baby hinterlassen haben, wieder mit Liebe zu füllen. Auf Alma und Ida passe ich hier gut auf, und du schaust von oben ab und zu mal vorbei, wenn dein eng getakteter Schlafplan es erlaubt.
In Liebe
dein Benny